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15/01/2010  -  Rücken- und Nackenschmerzen können in den Genen liegen
Die genetische Ausstattung eines Menschen kann eine wichtige Rolle für das Risiko spielen, an Nacken- oder Rückenschmerzen zu leiden, wie neue Studienergebnisse zeigen.

In einer Studie mit mehr als 15.000 Zwillingen zwischen 20 und 71 Jahren fanden dänische Forscher, dass genetische Anfälligkeit einen großen Teil des Risikos für Nacken- und Rückenschmerzen zu erklären scheint.

Chronische und wiederkehrende Schmerzen entlang der Wirbelsäule gehören zu den häufigsten gesundheitlichen Beschwerden bei Erwachsenen, doch die exakte Ursache ist in den meisten Fällen unbekannt. Und im Allgemeinen weiß die Wissenschaft wenig über die Mechanismen, die diesen Beschwerden und Schmerzen zugrunde liegen.

Die neusten Erkenntnisse zu diesem Thema, veröffentlicht in dem Fachmagazin Arthritis & Rheumatism, unterstützen die Ansicht, dass zwar viele Faktoren zu Schmerzen im Nacken- und Rückenbereich beitragen, die Gene hierbei aber einen besonders wichtigen Faktor darstellen.

Aktuelle Forschungsarbeiten haben beispielsweise gezeigt, dass die genetische Anfälligkeit der Hauptfaktor für eine fortschreitende Degeneration der Bandscheiben sein kann - diese Degeneration kann ein Grund für chronischen Rücken- und Nackenschmerzen sein.

Dies steht im Gegensatz zu der traditionellen Ansicht, dass Bandscheibendegeneration vor allem die Folge von Alterung und Abnutzung ist.

Zu verstehen, wie Gene und Umwelt miteinander interagieren und gesundheitliche Probleme verursachen, sei die Voraussetzung für die Prävention von Krankheiten, schrieb Dr. Jan Hartvigsen, Professor an der Universität von Süddänemark und federführender Autor der Studie.

"Bislang ist es uns trotz Millionen ausgegebener Dollar noch nicht gelungen, die häufigsten Formen von Nacken- und Rückenschmerzen effektiv zu verhindern", sagte Hartvigsen gegenüber Reuters Health in einer E-Mail. "Und heute gibt es mehr Menschen, die an chronischen Wirbelsäulenschmerzen leiden, als je zuvor."

Für ihre Studie analysierten Hartvigsen und seine Kollegen Informationen von 7664 Zwillingspaaren, die im Dänischen Zwillingsregister eingetragen sind. 56 Prozent waren zweieiige Zwillinge und 44 Prozent waren eineiig, also identische Zwillinge.

Zwillingsstudien wie diese erlauben es Wissenschaftlern, den Einfluss der Gene und der Umwelt auf das Krankheitsrisiko, Verhaltensweisen und Eigenschaften eines Menschen auszumerzen.

Identische Zwillinge haben exakt die gleiche genetische Ausstattung, während zweieiige Zwillinge sich nur die Hälfte ihrer Gene teilen - ebenso wie ganz normale Geschwister. Wenn also für ein bestimmtes Erkrankungsrisiko die Gene wichtiger sind als Umweltfaktoren, hätten identische Zwillinge ein ähnlicheres Risiko als zweieiige Zwillinge.

Als Hartvigsen und seine Kollegen sich die Angaben der Zwillinge zu Nacken- und Rückenschmerzen ansahen, stellten sie fest, dass die Gene anscheinend für einen beträchtlichen Teil des Risikos verantwortlich sind. Genetische Anfälligkeit erklärte 38 Prozent der Unterschiede zwischen einzelnen Personen hinsichtlich ihres Risikos für Schmerzen im unteren Rückenbereich. Laut der Studie waren die Gene für Schmerzen im mittleren Rückenbereich und im Nacken gleich wichtig.

Die beteiligten Gene und die Mechanismen, durch die sie einige Menschen anfälliger für Nacken- und Rückenschmerzen machen, sind nicht bekannt.

Eine überraschende Erkenntnis aus dieser Studie, so Hartvigsen, sei gewesen, dass die Wichtigkeit von Genen bei verschiedenen Arten von Schmerzen - einschließlich chronischen, schon lange bestehenden Schmerzen oder periodisch wiederkehrenden Schmerzen - "erstaunlich ähnlich" war.

"Dies deutet darauf hin", sagte er, "dass die gleichen Genen verantwortlich sind, egal um welche Art von Schmerzen es sich handelt und - bis zu einem gewissen Grad - egal wie lange diese schon bestehen."

Arthritis Rheum. 2009 Oct 15;61(10):1343-51 - Bild: fotolia.de/manu

Redaktion und Copyright: Biermann Medizin 2010

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